Durch den
Einsatz von IT ist auch in der Pflege Produktivitätssteigerung und
Qualitätssicherung möglich. Im Rahmen der Wettbewerbsfähigkeit der
Krankenhäuser kommen dem Anwender und der Industrie ebenso wie der
Forschung bestimmende Rollen zu. Alle drei Bereiche müssen dazu
beitragen, den internen Arbeitsablauf in der Pflege zu verbessern
und Geschäftsprozesse zu optimieren. Das Stichwort dazu lautet: Workflow-Optimierung.
Wir
entschieden uns 1998 für die Einführung des
Klinik-Informationssystems ORBIS der GWI AG (heute Agfa). Die
Software ersetzte die bis dato vorhandene IT-Lösung. Ausschlaggebend
für die Wahl des neuen Klinik-Informationssystems war vor allem sein
integrierter Ansatz.
Die
Einführung der elektronischen Pflegedokumentation mit der digitalen
Fieberkurve begann im Jahr 2000. Durch den Einsatz von mobilen
Notebooks können die Daten patientennah erfasst werden und stehen allen an dem Behandlungsprozess
beteiligten Personen jederzeit auch an jedem EDV-Arbeitsplatz im Kreiskrankenhaus
zur Verfügung.
Durch den
Einsatz dieser Software ist das "papierlose Krankenhaus" nahezu
umgesetzt worden.
Es ist
gelungen, die Computertechnik und die Patientenbehandlung sinnvoll
miteinander zu verbinden. Der Patient bleibt im Vordergrund, das
EDV-System unterstützt unsere Philosophie des ganzheitlichen
Ansatzes.
Bei unseren Patienten löst die Dokumentation ein durchweg positives
Echo aus. Die Patienten fühlen sich im digitalisierten
Kreiskrankenhaus gut aufgehoben und attestieren dem Personal ein
hohes Maß an Fachkompetenz und Professionalität. Für unser Personal
steht in erster Linie nicht die Zeitersparnis, sondern die
Qualitätskontrolle, -sicherung und -verbesserung im Vordergrund.
Konzeption der Pflegedokumentation
Das Konzept beinhaltet, dass die komplette Dokumentation und
Kommunikation in der Pflege durch die Software abgebildet wird.
Immer wiederkehrende Eintragungen
müssen nicht wiederholt niedergeschrieben werden. Zeiträume für
Neueinschätzungen werden festgelegt und das System zeigt in der
Stationsübersicht an, sobald eine Neueinschätzung, wie zum Beispiel des
Dekubitusrisikos, erfolgen soll.
Stationsgrafik
Die grafische Darstellung der Station und der Belegung ist der Dreh-
und Angelpunkt der Zugangsmöglichkeiten für die Dokumentation. Sie
ermöglicht einen Überblick über alle Patienten auf der
Station. Von hier aus greifen die Pflegekräfte direkt auf
die medizinischen, pflegerischen und administrativen
Informationen zu. Auf einen Blick können geplante Maßnahmen,
Aufträge, neue Befunde, Bettzuweisungen, Verlegungen und
Entlassungen erkannt werden. Von der Stationsgrafik aus
gelangen die Mitarbeiter auch in die Patientenakte, in der
alle Informationen zu einem Patienten gebündelt werden. |

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Pflegebasisdokumentation
Die Basisdokumentation für die Pflege verwendet die aus der Praxis
bekannten und an die Expertenstandards angelehnten Formulare. Zur
Erleichterung stehen hier Textbausteine zur Verfügung.
Pflegeanamnese
In der Pflegeanamnese lassen sich die häusliche Situation und der
Aufnahmezustand des Patienten differenziert erfassen. Als Gliederung
dient das verwendete Pflegemodell.
Es wird
von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, pflegerelevante
ICD-10-Diagnosen als Vorschlag zu erfassen und in den DRG-Work-Place
des behandelnden Arztes zu überführen.
Überleitungs- oder
Entlassungsbericht
Die Informationen aus der Pflegeanamnese können übernommen und durch
Daten aus der Krankengeschichte ergänzt werden. Die Erstellung des
Berichtes ist ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand möglich.
Dekubitusdokumentation
Durch grafische Unterstützung ist eine schnelle Orientierung
möglich. Das Dekubitusrisiko wird bei uns mit der Bradenskala
überprüft (auch andere Skalen sind möglich). Auswertungen geben
Auskunft über die Häufigkeit von Dekubitus zum Aufnahme- und
Entlassungszeitpunkt und liefern Daten zur Qualitätssicherung.
Dekubitusmeldungen können als Bericht an die
Qualitätssicherungsstelle gesendet werden, um über die Inzidenz und
Prävalenz von Pflegephänomenen (hier Dekubitus) zu informieren. Eine
digitale Bildhinterlegung könnte die Dokumentation noch ergänzen,
wird aber in unserem Haus nicht genutzt.
Wundmanagement
Im Wundmanagement können mehrere Wunden inklusive der
Wundbehandlung parallel erfasst werden. Ein Bericht zum Wundverlauf
zeigt auf einen Blick, ob die Therapie den gewünschten Effekt hatte
oder ob eine Behandlungskorrektur vorgenommen werden muss.
Assessmentinstrumente in der Pflege
Mit Barthel-Index, FIM, MMSE, Sturzrisikoskala etc. stehen
standardisierte Instrumente für die Beurteilung von
Pflegebedürftigkeit bereit. Die Pflegeaufwandserhebung nach PPR ist
integriert. Die Leistungserfassung in der Pflege (LEP) ist möglich,
wird aber in unseren Haus nicht genutzt. Spezielle Protokolle, z. B.
Schlafprotokoll, Fixierungsbericht, Miktionsprotokoll,
Trinkprotokoll oder Schmerzprotokoll ergänzen die Dokumentation.
Bearbeitete Formulare werden automatisch zu einem Pflegebericht
zusammengefasst. Wichtige Beobachtungen oder
Durchführungsbemerkungen können an den zuständigen Arzt geschickt
und
zur Übergabe vorgemerkt werden.
Kurvenführung
Die grafische Umsetzung der Kurvenführung als Fieberkurve entspricht
der vorherigen Papierform. Vitalwerte,
Medikation oder Pflegemaßnahmen, durch die der Behandlungsverlauf
abgebildet wird, werden übersichtlich dargestellt. Durchführungsbestätigungen der
ausführenden Pflegekraft oder neue Anordnungen des zuständigen
Arztes können direkt in der Kurvenführung dokumentiert werden. Die
hochinformative Fieberkurve zeigt neben Anordnungen und sonstigen
Texten auch Tendenzen (Scorings) und Verläufe (Puls, Temperatur).
Laborergebnisse können auch in grafischer Form angesehen werden. Die
Fieberkurve dient als zentrales Dokumentationsmedium in der
mobilen Visitenbegleitung.
Vorteile der elektronischen
Patientenakte
Das Ziel ist es, Dokumentationsaufgaben zu vereinfachen.
Redundanz wird vermieden, das heißt, die einmalig erfassten
Informationen stehen an allen erforderlichen Stellen zur Verfügung.
Eingebettet in das integrierte Workflow- und Managementsystem werden
Lese- und Übermittlungsfehler sowie der Zeitaufwand für die
Informationsbeschaffung reduziert. Die Auswertung von Informationen
erlaubt es, Erfolge in der Betreuung der Patienten sichtbar zu
machen. Durch die systematische Vorgehensweise und die umfassende
Dokumentation der umfangreichen Aufgaben wurde die Pflege qualitativ
verbessert. Erzielt wird eine Reihe von Vorteilen -
betriebswirtschaftlich, administrativ und medizinisch. Die
elektronische Patientenakte führt zum nahtlosen Zusammenspiel der
medizinischen und pflegerischen Dokumentation. Das Ergebnis ist die
einheitliche elektronische Patientenakte. Aus ökonomischer Sicht ist
zu erwähnen, dass das Kodieren der pflegerelevanten Nebendiagnosen
und die Kodierkontrolle im Rahmen des medizinischen Controllings
durch die elektronische Patientenakte schnell und präzise
durchgeführt werden kann.
Einführung in die digitale Pflegedokumentation
Alle Anwender erhalten eine Basisschulung von circa 2-3 Stunden
durch die EDV-Abteilung, um den Umgang mit dem PC, der Maus und die
Dateneingabe in den Basismodulen zu erlernen. In den
ersten Tagen findet eine begleitende Schulung in den Pflegemodulen
statt. Die Schulungsinhalte und Erfolge werden mittels einer
Checkliste im Einarbeitungskonzept dokumentiert. Die Stationsleitung überprüft, ob auch im
laufenden Betrieb die Dokumentation korrekt geführt wird und leistet
Hilfestellung.
In Abstimmung mit den Ärzten ist die
Kurvenführung zu einem wesentlichen Element der umfassenden,
berufsgruppenübergreifenden elektronischen Patientenakte geworden.

Weitere Informationen zum Thema "mobile Visite" finden Sie unter
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